Hörspiel: Gülden’s Schwester

https://www.br.de/mediathek/podcast/embed?episode=1799937

Derya Yıldırım, Tobias Levin and I composed the soundtrack for the Radioplay “Gülden’s Schwester” by Björn Bicker for Bayerischer Rundfunk.

First Broadcast is Sunday July 5 2020 on Bayern 2 and a second run is scheduled for Monday July 6 20:05 after the news. German only. Almost.

Güldens Schwester
Von Björn Bicker
Musik: Derya Yıldırım/Sebastian Reier/Tobias Levin
Regie: Björn Bicker
BR 2020
Wiederholung vom Sonntag, 15.05 Uhr
Als Podcast verfügbar im Hörspiel Pool

“Ich war eine der ersten auf dem Schulhof. Weil ich das vom Fenster aus gesehen habe. Meine Klasse hat in der zweiten Stunde eine Arbeit geschrieben. Mathe. Bruchrechnen. Seitdem träume ich jede Nacht vom Bruchrechnen.”
Fatma ist Lehrerin und wird Zeugin eines schrecklichen Verbrechens. Auf dem Schulhof tötet ein Junge seinen Mitschüler mit einem Messer. Von einem Moment auf den Nächsten ist nichts wie zuvor. Fatma erzählt, wie die Tat die Schule verändert, wie die Lehrer*innen reagieren, die Schüler*innen, die Eltern, die Öffentlichkeit. Und während sie sich an den Tag erinnert, an dem sie da am Fenster des Klassenzimmers stand, entschwinden ihr alle Gewissheiten, die ihr Leben bisher zusammengehalten haben. Sie versucht sich zu vergegenwärtigen, warum sie eigentlich Lehrerin geworden ist, was das mit der Einwanderungsgeschichte ihrer Familie zu tun hat, mit ihrer Mutter. Sie spricht über Liebe, Mitgefühl und den täglichen Rassismus, den sie von klein auf erlebt und verinnerlicht hat. Und während sie erzählt, taucht die Erinnerung an ihre Schwester wieder auf, Gülden, die als Kind von einem Auto überfahren wurde, dessen Fahrer nie ermittelt wurde. Während sie versucht, mit dem Mord, den Befragungen der Polizei, den Annäherungsversuchen des Direktors und der Schwangerschaft ihrer besten Freundin zurecht zu kommen, begleitet sie unentwegt dieses eine Lied, das von Verlust und Sehnsucht und Aufbruch in eine neue Zeit erzählt.
“Nach einer langen und intensiven Recherche in verschiedenen Schulen, habe ich versucht Dokument und Fiktion zu einer Erzählung zu verdichten. Der Text nimmt die Spur zweier Verbrechen auf und beleuchtet auf eine sehr persönliche und intime Art die blinden Flecken einer Gesellschaft, die zu zerbrechen droht, anstatt zusammenzuwachsen.” (Björn Bicker)

Björn Bicker, geb. 1970 in Koblenz, Schriftsteller und Theatermacher an der Schnittstelle von Kunst, Politik, Literatur und sozialer Praxis. Intensive Beschäftigung mit der deutschen und europäischen Einwanderungsgesellschaft. Entwicklung partizipativer Stadtraumprojekte, Veröffentlichungen zahlreicher Theaterstücke, Aufführungen an deutschsprachigen und internationalen Bühnen. Werke u.a. “Illegal. Wir sind viele. Wir sind da.” (2009), “Deportation Cast” (2010), “Die Insel (NEW HAMBURG)” (2014), “Das letzte Parlament” (2018), “Lehrer*innen” (2019), “Was wir erben” (Roman 2013), “Was glaubt Ihr denn” (2016), BR-Hörspiele u a. “Kingdom of Schön” (2010), “Egzon” (2011), “Urban Prayers” (2016).